Die Kaiserlichen Legionen

Die Kaiserlichen Legionen, oder auch Kaiserliche Armee, sind das stehende Heer des Scharlachroten Kaiserreiches. Von allen politischen Werkzeugen der Scharlachroten Kaiserin sind die Legionen wohl das schnörkelloseste und viele Völker der fernen Schwelle kennen das Reich hauptsächlich von Zusammenstößen mit dessen Soldaten. Insofern haben die Legionen in ihren Einsatzgebieten auch repräsentative Aufgaben, wenn diese sich auch häufig darauf beschränken, militärische Stärke zu demonstrieren und wankelmütige Tributstaaten so auf Linie zu halten. Selbst heute, inmitten der Krise um den leeren Kaiserthron, wird die Kaiserliche Armee respektiert und gefürchtet. Schon die Ankunft einer einzigen Legion verbreitet Schrecken in den Herzen ihrer Feinde.

Aufgaben

Letztlich kann man die Aufgaben der Legionen in einem Satz zusammenfassen: Dient der Scharlachroten Kaiserin bzw. in ihrer Abwesenheit dem Regenten. Würde also theoretisch der Regent morgen befehlen, die Stadt Leuchtender Obelisk dem Erdboden gleichzumachen – die Legionen würden ihr Bestes versuchen. Etwas weniger allgemein gesprochen, ist es die Aufgabe der Kaiserlichen Legionen, alle Teile des Kaiserreiches, also Präfekturen wie auch Satrapien vor Bedrohungen zu schützen, Verbündeten militärische Hilfe und Ausbildung zukommen zu lassen und das Hoheitsgebiet der Scharlachrote Kaiserin zu erweitern.

Seit dem Verschwinden der Kaiserin haben besonders die letzen beiden Pflichten der Legionen sehr gelitten. Mit einem schwachen Regenten als Oberbefehlshaber und schwindenden Mitteln sind die Legionen inzwischen zum Spielball der Beratenden Versammlung und der Großen Häuser geworden.

Organisation und Hierarchie

Der generelle Aufbau der Kaiserlichen Legionen entstammt keineswegs allein den militärischen Notwendigkeiten oder gar den Launen der Kaiserin, sondern ist eine geradezu traditionelle Institution. Seit den Tagen des Shogunats hat sich an der grundsätzlichen Kriegsführung auf der Gesegneten Insel nichts geändert. Wie auch bei Manövern, Strategien und anderer Militärtheorie sind die Grundzüge der reichischen Truppe in dem Buch Die Tausend Korrekten Handlungen des Aufrechten Soldaten niedergelegt, das schon lange vor dem Aufstieg der Kaiserin als das Standardwerk im Hort der Drachenblütigen galt. Bis heute käme niemand auf die Idee, von seinen Lehren abzuweichen und alle Offiziere der Kaiserlichen Armee haben seine Inhalte studiert.

Laut Vorgaben besteht besteht eine Legion bei voller Stärke aus 5000 Männern und Frauen in Waffen. Eine Legion rückt dabei nahezu ausnahmslos mit Infanterie aus. Wo Kavallerie benötigt wird, greift die Kaiserliche Armee entweder auf Söldner oder auf die Reiter des lokalen Machthabers zurück, sollte es sich um einen Einsatz in der Schwelle handeln. Dies ermöglicht einer Legion mobiler zu sein und schneller voranzukommen, da sich nicht um Reittiere gekümmert werden muss. Natürlich ist dieser Aufbau nicht absolut: Es gibt durchaus die ein oder andere berittene Eliteeinheit, die ein exzentrischer, drachenblütiger General ins Leben gerufen hat. Meist ist die Grenze zu den Hausgarden hier besonders fließend, welche aus Prestigegründen häufiger auf berittene Soldaten setzen.

Selbiges gilt für die Kriegsmaschinerie. Anstatt sie mühsam durch eventuell schwieriges Gelände mit sich zu führen, haben die meisten Legionen Ingenieure bei sich, die derartige Gerätschaften vor Ort aus den vorhandenen Ressourcen konstruieren – manchmal auch improvisieren – können. Eine Ausnahme bilden hier die Kriegsschreiter, über die die Kaiserlichen Legionen in stattlicher Zahl verfügen, und die ja selbst zu Laufen in der Lage sind. Daneben kommt zur Anzahl der Soldaten etwa noch ein Viertel an, häufig versklavten, Arbeitern, Träger, Köchen, Schmieden, Feldschern usw., die als Tross mit der Legion umherziehen und die Truppe mit allem Nötigen versorgen. Die Oberaufsicht über diesen Tross hat der Quartiermeister, der direkt dem General untersteht.

Aktuelle Situation

Seit dem Verschwinden der Kaiserin sieht die einstmals so stolze Kaiserliche Armee schweren Zeiten entgegen. Waren in Hochzeiten (oder schweren Krisenzeiten) bis zu 81 Legionen und auch bei anhaltendem Frieden nie weniger als 37 in Waffen, verfügt das Reich aktuell über gerade einmal 30 Legionen – so man die verachtete Blut-und-Pisse-Legion nicht mitzählen will. Auf Geheiß der Beratenden Versammlung wurden 7 Legionen also vollständig aufgelöst und zumindest eine von ihnen hat eine Rebellion geführt, bevor dies passiert ist. Die übrig gebliebenen Truppen wurden in die anderen Legionen eingezogen oder ihrem Schicksal überlassen. Selbiges gilt für deren Offiziere, die in vielen Fällen auch in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurden. Einige jedoch haben die Überreste ihrer früheren Truppe in eine Söldnerbande umfunktioniert oder sind einfach spurlos verschwunden – eine Situation, die die Senatoren der Beratenden Versammlung nicht eben ruhig schlafen lässt, angesichts der Tatsache, dass irgendwo da draußen sehr professionelle, sehr wütende Feldherren zu einem Putsch ausholen könnten.

Hinzu kommt, dass die Legionen früher nur dem Scharlachroten Thron selbst unterstellt. waren. Im Zuge der jüngsten Umstrukturierungen wurden nun alle Legionen den Großen Häusern zugewiesen – zusätzlich zu den Hausgarden, die diesen ohnehin unterhalten. Somit führen die Legionen heute vielfach nicht Befehle zum Wohl des Reiches, sondern zum Vorteil einzelner Häuser aus und auch die Zusammenstellung des Offizierskorps hat sich entsprechend verändert.
Bei den Verbündeten des Reiches nimmt man diese Entwicklung mit Besorgnis wahr, wird doch die Grenze zwischen Legion und Hausgarde immer durchlässiger. Jeder weiß, dass die Kaiserliche Legionen aus disziplinierten Elitesoldaten bestehen, angeführt von Kommandanten, die ihren Wert auf dem Schlachtfeld unzählige Male bewiesen haben, und eingedeckt mit erstklassiger Ausrüstung. Die Hausgarden sind hingegen ein Haufen schlecht ausgestatteter Haudraufs mit niedriger Moral unter dem Befehl von Offizieren, die allein durch politisches Ränkespiel auf ihren Posten gelandet sind. Und nun, wo die Kaiserlichen Legionen diesem System der militärischen Verwahrlosung eingegliedert werden, bleibt die Frage wie lange sie ihre vormals hohen Standards noch aufrecht erhalten können.

Die Kaiserlichen Legionen

Im Schatten der weißen Laterne Claurer