Der Orden der Unbefleckten Drachen

Der Orden der Unbefleckten Drachen, kurz Unbefleckter Orden ist die größte, geeinte Glaubensgemeinschaft der Schöpfung und die offizielle Staatsreligion des Scharlachroten Kaiserreiches. Der Orden besteht aus sterblichen und drachenblütigen Mönchen und Nonnen unterschiedlichster Herkunft und Befähigung. Die meisten drachenblütigen sind Dynasten, die Zuflucht vor den politischen Ränkespielen der höfischen Gesellschaft des Kaiserreiches suchen oder nach Erleuchtung streben oder eben Verlorene Eier die sich nach ihrer Erhöhung für diese Laufbahn entschieden haben. Die Sterblichen, die die Ränge des Ordens füllen, kommen hingegen aus allen sozialen Schichten und einige besonders strenge Jünger Danaa’ds nehmen gar Sklaven als Akolyten auf (wenn auch eher im Geheimen). Allgemein steigen Sterbliche nur selten in verantwortungsvolle Positionen innerhalb des Ordens auf.

Wo die Kaiserlichen Legionen der stachelbewehrte Streitkolben des Reiches sind, so ist der Unbefleckte Orden eher eine gutgeschliffene Axt. Sind die Legionen schlussendlich zu wenig mehr zu gebrauchen, als Handelsrouten zu beschützen, Städte zu verteidigen oder Gebiete zu erobern, dient der Unbefleckte Orden ist dem Reich als ein Werkzeug des Krieges und des Friedens und formt Gebiete, in denen er aktiv ist, nach den Prinzipien der Vollkommenen Hierarchie.

Glaubensinhalte

Der Unbefleckte Orden besteht schon seit mehr als 1.500 Jahren und seine Philosophie hat die Denkweise eines Großteils der Schöpfung stark beeinflusst. Der Orden predigt, dass die Seele eines jeden Wesens mehrere Leben durchläuft und wieder und wieder reinkarniert, bis sie schließlich die Erleuchtung erreicht und in der Essenz der Elementardrachen Frieden findet.

Aus diesem Gedanken erwächst ein nach Erleuchtung gestaffeltes Gesellschaftssystem: Vollkommene Hierarchie. Menschen stehen in ihr auf einer spirituell höheren Stufe als Tiere. Drachenblütige sind wiederum den Menschen spirituell übergeordnet. Ein tugendhafter Mensch hat somit in einer späteren Existenz ein Leben als Drachenblütiger in Aussicht, während jemand, der mit Sünden behaftet ist, als ein niederes Tier. Die höchste Tugend in diesem Glaubenssystem ist die Akzeptanz des eigenen Platzes und eigenen Schicksales und das Verständnis, dass alle nur ein Teil eines großen Ganzen sind. Die spirituell Untergeordneten sollen den Erleuchteteren mit Respekt und Gehorsam begegnen, während die Erleuchteten ihren Untergebenen Barmherzigkeit und Weisung entgegenbringen sollen. Jeder Bewohner des Kaiserreiches kennt das Gleichnis vom Fuchs und vom Bauern, das diesen Gedanken anschaulich zusammenfasst.

Der Unbefleckte Orden kennt ein zentrales Schriftstück – oder eher: eine zentrale Schriftstücksammlung. Diese Unbefleckte Schriften erhalten das überlieferte Wort der Fünf Unbefleckten, ihrer Gläubigen und heiliger Männer und Philosophen, die über sie geschrieben haben. Daneben folgen die unbefleckten Gläubigen einem Katalog von Wahrheiten und Verhaltensregeln, die als die Noblen Einsichten bzw. die Befleißigten Praktiken, sowie einer Schrift namens Die Sanfte Regel, die den gelebten Glauben des Ordens auf den Punkt bringen.

Als zentrales Leitbild ihres Glaubens sehen die Ordensmitglieder jedoch die Fünf Unbefleckten an. Sie waren Drachenblütige die sich einst in der Ära der Alpträume gegen die Anathema erhoben und die Drachenblütigen im Großen Aufbegehren in die Freiheit führten. Jeder Unbefleckte wird als Inkarnation eines Elementardrachen gesehen und jeder verkörpert bestimmte Eigenschaften, die allen Wesen, insbesondere aber den anderen Drachenblütigen seines Aspektes, Weisung und Ziel sein sollen. Die Fünf Unbefleckten werden jedoch niemals angebetet, vielmehr wird über ihren Lebens- und Leidensweg ausgiebig sinniert und meditiert.

Auch sonst missbilligen die Würdenträger des Unbefleckten Ordens jede Art von persönlicher oder öffentlicher Verehrung von Gottheiten aller Art. Selbst Götter und Elementare nehmen in der Hierarchie des Daseins einen Platz ein – sie werden aber nicht direkt zu den Menschen in Beziehung gesetzt, sondern bilden vielmehr eine eigene Erleuchtungsleiter, auf der wichtigere und mächtigere Götter weiter oben stehen. Dennoch sehen die Mönche und Nonnen des Ordens Gottheiten primär als Dienstleister auf der von den Elementardrachen erschaffenen Welt, die sich ebenso deren Wirken zu unterwerfen haben. Göttern wird von Priestern des Unbefleckten Ordens zu genau festgelegten Zeiten geopfert und kein Gott, egal wie mächtig, hat Anspruch auf persönliche Gebete oder Opfer von Gläubigen. Nur wer spirituell erleuchtet genug ist, dem ist der Umgang mit Gottheiten gestattet und selbst über viele Drachenblütige, die sich zum Beispiel mit Elementaren umgeben, rümpfen konservativere Ordensmitglieder die Nase.

Aufgaben

Als seine vornehmlichste Pflicht versteht der Unbefleckten Ordens die Umsetzung und die Verbreitung der Lehren der Vollkommenen Hierarchie. Zwar ist für die einzelnen Mönche und Nonnen des Ordens das Streben nach Erleuchtung Prinzip und Ziel ihres Wirkens, doch sehen sie sich ebenso als Bewahrer der heiligen Hierarchie, in der jeder seinen zugedachten Platz einnimmt. Die Mitglieder des Unbefleckten Ordens leben eine zurückhaltende Akzeptanz und suchen die Befreiung von sämtlichen weltlichen Belangen und Besitztümern.

Zumindest in der Theorie. In der Praxis versehen die Mönche und Nonnen des Unbefleckten Ordens eine ganze Reihe von spirituellen aber auch weltlichen Aufgaben, die dem Erhalt der Vollkommenen Hierarchie dienen. Dabei stehen sie ein stückweit über den Dingen und treten als Mittler auf zwischen allen Wesen innerhalb der Hierarchie auf. Somit überbrücken sie regelmässig die fest gefügten, sozialen Grenzen und kümmern sich um das spirituelle (und zum Teil auch weltliche) Wohl ihrer Gemeinden. Dazu gehören nicht nur das Abhalten von Messen und die Segnung von Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen, sondern auch Rat und Hilfe für jene, die in Not sind. Der Orden eine Vielzahl karrikativer Einrichtungen im Reich und in der Schwelle, welche von Thermen über Sanatorien und Stiften bis zu Gästehäusern für müde Pilger reichen. Auch bei der schulischen Ausbildung der Bevölkerung nimmt der Unbefleckte Orden eine Vormachtsstellung ein und viele Schulen, Dojos und Akademien sind fest in kirchlicher Hand. Dadurch stellt der Orden natürlich sicher, das jedermann bestens mit der Unbefleckten Lehre vertraut ist – und natürlich auch die Zeichen der Anathema erkennt und deuten kann.

Die Verpflichtung dem Glauben gegenüber hört jedoch nicht bei den Menschen auf. Die Mönche und Nonnen des Unbefleckten Ordens sind außerdem der Kontakt der Sterblichen zur Welt der Götter und Elementare. Es ist eine der Hauptaufgaben des Unbefleckten Ordens, den himmlischen und irdischen Göttern zu bestimmten Zeiten im Kalender regelmäßig Opfer darzureichen und Gebete darzubringen, um sie zu besänftigen. Je wichtiger ein Gott für das Gefüge der Schöpfung, umso prunkvoller die Zeremonien und umso üppiger die Opfergaben, die der Gott von Hand des Ordens erhält. Die lokalen Götter werden in der Regeln in beschaulichen Schreinen in den Drachentempeln vor Ort verehrt, während Göttern von großer Macht und Bedeutung meist ein einzelner ausladender Schrein in einer der kaiserlichen Metropolen zugedacht ist. Alle diese Schreine werden von Mönchen und Nonnen stets abgeschlossen und nur zu den Opferzeiten geöffnet. Einige werden vor der Bevölkerung gar vollständig geheim gehalten, gilt die Verehrung von irdischen und himmlischen Göttern durch jeden anderen als ein Mitglied des Ordens doch als Häresie.

Die Bekämpfung von derlei Irrglauben und damit verbundene Mission von anderen Kulturen ist selbstverständlich eine weitere Aufgabe, der sich der Unbefleckte Orden verpflichtet fühlt. Doch selbst beim Umgang mit offensichtlich Ungläubigen lebt er Gelassenheit und Versöhnlichkeit vor. Selten merzen die Kampfmönche des Ordens ein Dorf voller Verblendeter einfach mit Feuer und Faust aus und niemals zwingen sie Menschen gar mit vorgehaltener Waffe zum Konvertieren. Die Ausnahme stellt der Umgang mit Kulten und Irrlehren dar, die mit der Vollkommenen Hierarchie nicht nur unvereinbar sind, sondern sie direkt bekämpfen, wie zum Beispiel die Verehrung der Todesfürsten, der Anathema, des Lichten Volkes oder der Yozis. Auch die Wylde Jagd kann stets auf umfangreiche Unterstützung von Seiten des Ordens bauen.

Anderen, harmloseren Kulten und Irrlehren wird, besonders in der Schwelle, hingegen mit wiederholten Maßregelungen und Sanktionen oder entspannter Ignoranz begegnet – die Mönche und Nonnen des Ordens finden Gelassenheit darin, dass sie es einfach besser wissen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass aktive Anwerbung von neuen Gläubigen nicht stattfände. Auf Bewohner der unabhängigen Regionen der Schwelle wirkt der Orden in seinem Missionseifer häufig gar mehr wie ein Werkzeug des Reiches als wie eine unabhängige Glaubensgemeinschaft. Oftmals richtet der Orden eine Missionsstation in eben jenen Gebieten ein, die die Kaiserliche Armee später ohnehin zu erobern gedenkt. Ein paar Mönche und Nonnen errichten einfach einen Tempel. Die sterblichen Tempeldiener beginnen dann damit, die Einheimischen in der Unbefleckten Philosophie zu, während der drachenblütige Abt und seine Verbündeten die lokalen Götter zu Martial-Arts-Duellen herausfordern und sie so zwingen, sich den Erwartungen des Ordens, was göttliches Benehmen angeht, zu beugen. Im Gegenzug sieht sich der Unbefleckte Orden jedoch auch als Hüter seiner Gläubigen, besonders jener, deren Platz eher im Staub als auf dem Seidenkissen ist: Die Mönche und Nonnen des Ordens sind bekannt dafür, sich für das gemeine Volk einzusetzen, wo immer sie Unrecht am Werk sehen und sie rufen mitunter gar zu Streiks und friedlichen Aufständen auf, die sie unterstützen, bis das Unrecht behoben ist.

Der letzte, heilige Auftrag, dem sich die Mitglieder des Ordens verpflichtet haben, ist das Auffinden neuer Unbefleckter Schriften. Da diese Schriften zum Großteil aus Passagen längerer Dokumenten aus dem Ersten Zeitalter bestehen, verfügt der Orden inzwischen über das größte Repertoire an Wissen über das Shogunat und die Ära der Alpträume außerhalb des Heptagramms. Dadurch beeinflusst der Orden Erziehung und
Bildung auf der Gesegneten Insel und stellt dem Reich zudem eine große Anzahl Experten und Berater für sämtliche Felder obskuren Wissens zur Verfügung.

Hierarchie

Im Gegensatz zu vielen anderen Körperschaften des Reiches ist die Hierarchie des Ordens der Unbefleckten Drachen geprägt von einem ungezwungenen Miteinander und hoher Flexibilität. Allein in den höheren Rängen ist das Machtgefüge relativ festgeschrieben. Prinzipiell ist der Einfluss eines Geistlichen aber bereits äußerlich an seiner Tracht und seiner Lebensführung zu erkennen. Der Unbefleckte Orden kennt fünf sogenannte Ringe, die Mönche und Nonnen während ihres Lebens durchlaufen können. Sie gehen einher mit Regularien zu Essen, Trinken, Kleidung und vielen anderen Lebensbereichen. Je höher der Ring, dem sich ein Geistlicher des Ordens zuordnet, umso weiser, angesehener und meist auch einflussreicher ist er.

Weiterhin trennt sich das Gefüge des Unbefleckten Ordens auf drei sogenannte Traditionen auf, bestimmte Lebens- und Strebensweisen, denen ein unbefleckter Geistlicher folgt. So leben die Mönche und Nonnen der Kloster-Tradition, der zahlenmäßig größten Tradition, in Tempelgemeinschaften, wo sie handwerklichen und künstlerischen Tätigkeiten nachgehen, und die Kampfkünste praktizieren. Dem einfachen Volk näher stehen die Mönche und Nonnen der Tempel-Tradition, die sämtliche Tempel und Schreine des Ordens pflegen. Sie führen die Rituale des Unbefleckten Ordens, wie zum Beispiel die regelmäßigen Opfer an die Götter, durch und sind Ansprechpartner für die Gläubigen in der Gemeinde. Aus der Welt zurückgezogen haben sich schließlich die Anhänger der Asketen-Tradition. Sie leben häufig isoliert und allein oder in kleinen Gruppen und sehen ihre einzige Lebensaufgabe im Streben nach Erleuchtung. Viele von ihnen sind wahre Meister der Kampfkünste. Einige behaupten, mit den Wandermönchen bestehe noch eine inoffizielle, vierte Tradition, bestehend aus Geistlichen, die das Reich auf bestimmten Routen durchwandern, Häresie bekämpfen, Rituale vollziehen und helfen, wo Not am Mann ist. Wie Magistrate sind auch Wandermönche nur der Spitze ihrer Organisation Rechenschaft schuldig.

Das nominelle Oberhaupt des Ordens ist die Stimme des Friedens – ein Titel der von der traditionellen Einstellung gegen den Krieg herrührt, den alle Amtsinhaber teilen. Die Stimme des Friedens besitzt eine solche Macht, dass sie mit einem Wort einen geehrten Drachenblütigen in Ungnade fallen lassen kann. Unter der Stimme des Friedens stehen die Fünf Höchstrechtschaffenen Prinzipale, von denen jeder einen der Fünf Unbefleckten Drachen repräsentiert. Die Prinzipale sind jene Mitglieder des Unbefleckten Ordens, die ihrem ausgewählten Drachen am gewissen- und am rechtschaffensten folgen. Sie sind die spirituellen Führer des Ordens und die oberste Instanz in religiösen Fragen, da die Stimme des Friedens eher die weltlichen und repräsentativen Pflichten des Ordens versieht.

Unterhalb der Stimme des Friedens und der Prinzipale stehen die Llamas, ehrwürdige und erleuchtete Ordensmitglieder, die speziellen Verwaltungsaufgaben oder Berufungen nachgehen oder einfach nur als religiöse Vorbilder den Glauben repräsentieren. Sie ordnen sich meist nur nominell einer Tradition zu. Den Llamas unterstellt sind die verschiedenen Äbte, Vikare und Deuter der drei Traditionen, die ihrerseits über all vielen Glaubensbrüder und -schwestern anweisen, die in einer bestimmten Region leben und arbeiten. Unterhalb dieser Würdenträger endet die feste Hierarchie des Ordens und ältere und jüngere Mönche leben gleichberechtigt beieinander, wobei die Akolyten des Ordens natürlich ihren Lehrern und Anleitern selbstverständlich Respekt und Gehorsam zollen.

Niederlassungen

Die offizielle Residenz der Stimme des Friedens ist das riesige und verwinkelte Refugium, das als der Hehre Palast bekannt ist. Der Palast erstreckt sich vor den Toren der Stadt Sion und ist die wohl prächtigste Tempelanlage, die auf der gesamten Schöpfung zu finden ist. Ein weiterer wichtiger Sitz des Ordens ist die Graue Prozession, jenes Kloster in der Kaiserlichen Stadt, in der Suchende um Aufnahme in den Orden der Unbefleckten Drachen bitten.

Neben diesen punktuellen Zurschaustellungen von Größe gibt sich der Orden sonst beschaulich und pragmatisch. Die größten Niederlassungen des Ordens sind zweifellos seine //Klöster//, die ganzen Hundertschaften an Mönchen und Nonnen Platz zum Leben, Arbeiten, Trainieren und Meditieren bieten müssen. Die meisten Klöster sind vollkommen autark und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, einige sogar regelrecht befestigt und von dicken Mauern umgeben. Ein ganz anderes Bild vermitteln die zahlreichen Tempel des Ordens, die jedem fast den ganzen Tag zum Gebet offen stehen. Tempel gibt es in jeder größeren Ortschaft und sind mal allen Unbefleckten und mal einem einzelnen von ihnen zugedacht. Der einzige Bereich eines Tempels, den nur dort dienenden Geistlichen des Ordens betreten dürfen, ist das Allerheiligste, in welchem die Schreine für die irdischen und himmlischen Götter aufgestellt sind. Auch außerhalb von Tempel existieren Schreine, meist an abgelegenen Orten, aber auch auf den Anwesen gläubiger Haushalte der Dynastie. Solche Schreine sind meist den Unbefleckten Drachen geweiht, doch auch unter ihnen sind Opferstätten für lokale Götter, die von den Mitgliedern des Ordens sorgsam verschlossen gehalten werden. Schließlich unterhält der Unbefleckte Orden Schulen in jeder Stadt und jeder ländlichen Region, wo fleißige Mönche und Nonnen unterprivilegierten Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen und die Grundzüge der Unbefleckten Lehre beibringen. Besonders begabte Kinder können sogar ein Stipendium für die exklusive Klosterschule Hort für jene, die auf Sextes Jylis’ Pfaden wandeln erhalten. Von dort aus dürfen die Besten wiederum direkt ins Kloster der Weisheit, die vom Orden geführte Sekundarschule, die auch die Sprößlinge der Dynastie und der Patrizier besuchen.

Der Orden der Unbefleckten Drachen

Im Schatten der weißen Laterne Claurer