Das Scharlachrote Kaiserreich

Das Scharlachrote Kaiserreich ist die mächtigste und hochentwickeltste Zivilisation der gesamten Schöpfung. Nominell umfasst sein Hoheitsgebiet nur die Gesegnete Insel, doch sein Einfluss reicht weit über diese natürliche Grenze hinaus. Mehr als 700 Jahre lang band das Kaiserreich nahezu sämtliche zivilisierten Gebiete als Tribut- und Marionettenstaaten an sich. Seit dem unerklärlichen Verschwinden seiner alterslosen Herrscherin, der Scharlachrote Kaiserin, befindet sich das Kaiserreich jedoch in einem Zustand des politischen und gesellschaftlichen Verfalls.

Dennoch kann man das Kaiserreich – nicht zuletzt wegen seiner Nähe zum Kaiserlichen Berg – auch heute noch als den Nabel der Schöpfung bezeichnen, das Zentrum der Zivilisation und das unerschütterliche Bollwerk gegen das Chaos der Wyldnis und der Anathema bezeichnen. Sein Einfluss auf die Entwicklung des Zweiten Zeitalters kann nicht unterschätzt werden. Fast ein ganzes Jahrtausend lang haben die Entscheidungen der Scharlachroten Kaiserin Könige erhoben und niedergeworfen, Armeen durch Wüsten und über Meere geschickt und Götter wie Erhabene erzittern lassen. Selbst heute nach dem Verschwinden der Kaiserin agiert das Kaiserreich, während alle anderen Nationen nur reagieren. Die militärische Präsenz der Kaiserlichen Legionen, die politische Agenda der Tausend Schuppen und nicht zuletzt die Philosophie des Ordens der Unbefleckten Drachen beeinflussen das tägliche Leben von Millionen von Wesen.

Den machtpolitischen Kern des Kaiserreiches bildet der Hort der Drachenblütigen, die wohl größte Ansammlung an Erhabenen der Erde auf der gesamten Schöpfung. Die meisten von ihnen sind Mitglieder der Scharlachroten Dynastie, einem Konglomerat aus adligen Familien, den Großen Häuser, welche alle mit der Scharlachroten Kaiserin in verwandtschaftlichem Verhältnis stehen. Waren sie bis vor Kurzem noch eine gesellschaftliche Macht, die die Stabilität des Reiches aufrecht erhalten hat, sind sie nun der Antrieb für dessen Verfall. Jede verfügbare Ressource des Kaiserreiches, wird für den hintergründigen Streit um das Erbe der Scharlachroten Kaiserin genutzt, anstatt gegen die äußeren Feinde des Reiches.

Ohne die klare und strenge Führung ihrer unsterblichen Herrscherin tragen also die verschiedensten politischen Fraktionen, die die Scharlachrote Kaiserin zu ihren Hochzeiten sogar zur Rivalität ermutigt und gegeneinander ausgespielt hatte, nun erbitterte Machtkämpfe gegeneinander aus. Sie beginnen ihre eigentlichen Verantwortungen zu ignorieren und handeln nicht länger als Kollektiv. Momentan spielt sich dieser Unfrieden noch hinter geschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen ab, doch ein Bürgerkrieg im Kaiserreich wird von Tag zu Tag ein immer wahrscheinlicheres Szenario. In den Reihen der Scharlachroten Dynastie führt man bereits die ersten Stellvertreterkriege in der Schwelle.

Geschichte

Für detailliertere Informationen siehe die Seite Geschichte des Kaiserreiches.

Politik und Verwaltung

Das Scharlachrote Kaiserreich ist ein Koloss, ein politischer Monolith, und dieses uralte Monument der Zivilisation vor dem Kippen zu bewahren, erfordert ein enormes Maß an politischer Stärke. Das erkannte die Scharlachrote Kaiserin früh und errichtete ein bürokratisches, geographisches und politisches System, das einerseits das Gesamtgefüge erhielt und ihr allzu lästige Arbeit abnahm, sich andererseits aber vollkommen auf ihre Entscheidungen stützte. Dieses System gerät nun nach dem Verschwinden der Scharlachroten Kaiserin allmählich ins Wanken und die Abwesenheit der Macht aus der Mitte ist in allen drei Hauptbereichen der kaiserlichen Verwaltung spürbar: Der Regierung, den Satrapien und Präfekturen und den kaiserlichen Ministerien.

Regierung

Zu Zeiten der Scharlachroten Kaiserin haben weise Männer und Frauen ganze Kodizes mit Abhandlungen über ihre politische Philosophie und Methodik füllen können. Die Scharlachrote Kaiserin auf eine einzelne, politische Linie festzulegen, ist schwierig, doch traf sie ihre Entscheidungen keineswegs willkürlich, sondern folgte einer Reihe von Prinzipien, die ihre Herrschaft bestimmten. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Teile und herrsche: Die Scharlachrote Kaiserin erlaubte niemals, dass politische und militärische Macht nur in Hand einer Einzelperson lag – ihre eigene Person ausgenommen natürlich. So gab sie Privilegien und Entscheidungsgewalt stets an mehrere Personen, die sich gegenseitig kontrollieren und in Schach halten konnten. Die kaiserliche Bürokratie wurde dadurch zwar aufgebläht und ineffektiv, jedoch konnte auch keiner ihrer Amtsträger hoffen, seiner Herrscherin wirklich gefährlich zu werden. Dieses Prinzip der überschneidenden Kompetenzen zieht sich durch die gesamte politische Landschaft des Reiches und trägt maßgeblich zu den heutigen Missständen dieses Staates bei.
  • Alle Gunst aus der Mitte: Die Kaiserin behielt sich Zeit ihrer Herrschaft stets das Recht vor, alle Ernennungen, Versetzungen, Auszeichnungen und Schenkungen von Ländereien und Titeln persönlich zu durchzuführen. Wer nach Ruhm, Verantwortung oder Anerkennung strebte, der musste das Haupt vor dem Scharlachroten Thron beugen. Genau wie Ernennungen machte sich die Scharlachorte Kaiserin auch Suspendierungen zur Aufgabe, was sich als eine ihrer wirksamsten Waffen herausstellte, um Klüngelei und Korruption zu bekämpfen.
  • Entehrung vor Tod: Die Scharlachrote Kaiserin, die wusste um das empfindliche Gleichgewicht ihres politischen Systems und sah gerade im Falle ihrer politischen Gegner von drakonischen Strafen ab – auch wenn dieser Ausdruck natürlich auf die grausamen Tötungskommandos des drachenblütigen Shogunats zurückgeht. Stattdessen gab sie sich damit zufrieden die Reputation und den politischen Stand ihrer Feinde zu zerstören – und sie konnte dabei äußerst nachtragend sein. Am Ende trieben soziale Ächtung und Sanktionen ihre Feinde aus Mangel an Alternativen zurück in den Schoß des Reiches und viele der loyalsten Diener der Kaiserin zählen zu ihren jeweiligen Rivalen. Und sollte das nicht geschehen: Die Scharlachrote Kaiserin hatte immer ein Kader an willigen Nachfolgern für ein verwaistes Amt in Reserve.
  • Absichtliche Destabilisierung an den Grenzen: Auf dem internationalen Parkett hielt die Scharlachrote Kaiserin ihr Reich absichtlich eine schwachen, aber anhaltenden Kriegszustand an den Grenzen der kaiserlichen Satrapien in der Schwelle aufrecht. Auf diese Weise waren die Kaiserlichen Legionen stets “im Training”, wie auch der Offiziersstab, der Neulinge direkt im Feld ausbilden konnte. Weiterhin konnte sie durch kurzfristige “ruhmreiche Ernennungen” auch ihre Rivalen ins Feld schicken und so vom Zentrum der Macht fernhalten. Und wenn bei ihren konstanten Scharmützeln auch mal ein Refugium oder zwei abfielen, umso besser.
  • Privilegierte Verantwortung: Recht und Kultur des Kaiserreiches stellen die Drachenblütigen uneingeschränkt ins Zentrum und verlangen Gehorsam von jedem einzelnen Sterblichen gegenüber den Prinzen der Erde. Darüber hinaus genießt jeder Drachenblütige zahllose Privilegien, selbst wenn er keinen offiziellen Titel innehat: Das Recht zum Führen von Waffen, zum Besitz okkulter Schriften und zur Unterhaltung einer kleinen privaten Armee sind nur einige davon. Allerdings gehen mit diesen Privilegien auch Pflichten einher, die jedem Erhabenen der Erde quasi von Geburt an auferlegt sind. So wird von ihm nicht nur erwartet, dass er Nachkommen zeugt, sondern auch, dass er sich um die ihm anvertrauten Untertanen mit bestem Wissen und Gewissen kümmert. Dies geht soweit, dass ein Drachenblütiger stets die volle Verantwortung für die Fehler seiner Untergebenen trägt. Alle Gunst und alle Schuld ruht auf den Schultern der Drachenblütiger, der. Stets hat die Scharlachrote Kaiserin akribisch darauf geachtet, dass diese Vorstellung in ihrem Herrschaftsgebiet gelebt wurde – nicht zuletzt, um ihre erhabenen Untertanen mit Privilegien ruhig zu stellen, zugleich aber unter Druck zu setzen.
  • Zwei Drachen umkreisen den Thron: Eine der wichtigsten Unterscheidungen, die sich unter der Herrschaft der Scharlachroten Kaiserin etablierte, ist die zwischen den Mitgliedern der Scharlachroten Dynastie und den sogenannten Verlorenen Eiern. Erstere, die Dynasten, gehören den Großen Häusern an und sind mit der Scharlachroten Kaiserin durch komplizierte Heiratspolitik allesamt blutsverwandt, während Letztere vor ihrer Erhöhung Kinder aus dem einfachen Volke waren. Auch wenn beide Gruppen sich hinsichtlich ihrer Fähigkeiten keineswegs unterscheiden, machte die Kaiserin insofern einen Unterschied, dass den Dynasten ihre Privilegien einfach zukamen, während Verlorene Eier sie sich durch Bezeugung ihrer Loyalität für das Kaiserreich erst verdienen mussten. Heute dienen Verlorene Eier hauptsächlich in den Tausend Schuppen, den Kaiserlichen Legionen und dem Unbefleckten Orden. Sie verbindet das Gefühl, sich ihre Privilegien selbst erarbeitet zu haben, und die Treue zur Scharlachroten Kaiserin, die sie als die Urheberin ihres persönlichen Statusgewinns sehen.

Nach dem Verschwinden der Scharlachroten Kaiserin verlieren die Prinzipien ihrer Herrschaft immer weiter an Bedeutung. An die Stelle der Herrscherin rückte ein Regent, ein Sterblicher namens Tepet Fokuf, der vor allem durch seine politische Ahnungslosigkeit und mangelnde Ambition auffällt. Er unterschreibt klaglos alle Dekrete, die die Beratende Versammlung ihm vor die Füße wirft und frönt sonst in den Eingeweiden des Kaiserlichen Palastes dem Müßiggang. Dieser Umstand setzt die Senatoren des Kaiserreiches in eine Position der Kontrolle und nicht wenigen steigt diese neugewonnene politische Macht zu Kopf und sie verlieren das Wohl der gesamten Nation aus den Augen. Das politische System des Reiches war nie darauf ausgelegt gewesen, ohne die Scharlachrote Kaiserin zu funktionieren.

Auch fernab des Scharlachroten Throns beginnt das Kaiserreich zu zerfasern. Ohne eine regulierende Instanz an der Spitze nutzen die Würdenträger und Großen Häuser ihre Privilegien schamlos aus, um ihre Machtposition zu erhalten, und gehen offener und skrupelloser gegen ihre Rivalen vor. Alte politische Widersacher der Scharlachroten Kaiserin, die sie entehrt und aufs gesellschaftliche Abstellgleis getrieben hatte, drängen nun wieder auf die politische Bühne und wollen dem Reich ihre Schmach mit doppelter Münze heimzahlen. Auch die Scharmützel an den Grenzen beginnen zu eskalieren, da das Verschwinden der großen Leitfigur des Hortes der Drachenblütigen die Feinde des Reiches wagemutiger und die Kaiserlichen Legionen im Feld zurückhaltender werden ließ – so sie nicht bereits von ihren Häusern in die Heimat abbeordert worden sind. Die Dynasten beginnen ihre Verpflichtungen für die Gesellschaft des Kaiserreiches mehr und mehr zu ignorieren, während die Verlorenen Ei ohne das Wohlwollen und die Unterstützung einer mächtigen Person harten Zeiten entgegensehen, gleichzeitig aber das Reich, dem viele von ihnen in Treue verbunden sind, zerfallen sehen. Mit jedem Tag rückt die Möglichkeit eines bewaffneten Bürgerkriegs näher, ein Krieg, der auf politischer Ebene längst mit allen Mitteln ausgetragen wird.

Landesaufteilung

Das Kaiserliche Register unterscheidet zwischen zwei Typen kaiserlicher Einflussgebiete, die geographisch von einander unterschieden und nach zwei verschiedenen Prinzipien verwaltet werden: Den Präfekturen und den Satrapien. Beide zusammengenommen machen das Kaiserreich zum flächenmässig größten Staat der modernen Schöpfung – was sich, sollten die zahlreichen Tributstaaten des Kaiserreiches die Vormundschaft der Zehntausend Drachen abschütteln, bald ändern könnte.

Präfekturen sind jene Territorien, die sich auf der Gesegneten Insel oder ihren direkten kleinen Nachbarinseln befinden. Sie sind klein genug, um von direkten Abgesandten des Scharlachroten Throns, den Präfekten regiert werden. Satrapien liegen jenseits des Hauptlandes des Reiches. Sie sind jene Landstriche in der Schwelle, die als Tributstaaten unter Kontrolle des Kaiserreiches stehen. Hier regieren kaiserliche Agenten als Satrapen im Offenen oder Verborgenen, meist als Beraterstab der lokalen Souveräne. Einige Satrapien oder Präfekturen von hoher ökonomischer und territorialer Wichtigkeit werden auch als Bezirke bezeichnet, funktionieren aber genauso wie ihre unbedeutenderen Verwandten.

Bürokratie

Um die reibungslose Verwaltung dieses Giganten von einem Kaiserreich zu gewährleisten, hat die Scharlachrote Kaiserin schon früh den Aufbau einer gut organisierten Bürokratie vorangetrieben. Ergebnis dieser Bemühungen sind die Tausend Schuppen, ein riesiger Verwaltungsapparat, der alle Lebensbereiche der Bürger des Reiches durchdringt. Mit den Jahren wurden die Tausend Schuppen wurden zum Fundament der kaiserlichen Herrschaft, wenngleich die Kaiserin, getreu ihrem Teile-und-herrsche-Prinzips, zahllose Ministerien schuf, deren Kompetenzbereiche sich massiv überschneiden.

Die zentrale Schrift der Tausend Schuppen ist das Kaiserliche Register, welches akribisch Buch führt über sämtliche Gesetze, Entscheidungen, Bilanzen und Präzendenzfälle, die im bürokratischen Tagesbetrieb zum Tragen kommen. Die Schreibstuben der Tausend Schuppen, welche sich in jeder größeren Stadt befinden, sind stets dabei, die Entscheidungen ihrer Ministerien aufzubereiten und an die Verwalter des Registers weiterzugeben. Darüber hinaus sorgen die zahllosen Minister, Kanzler, Sekretäre und Funktionäre dafür, dass auch jede noch so kleine gesetzliche und wirtschaftliche Frage des Reiches präzise geregelt ist und stehen zusätzlich der Bevölkerung noch für Fragen zur Verfügung.

Drachenblütige nehmen ausschließlich die höchsten, leitenden Positionen in diesem verstaubten und System ein, steht doch den meisten von ihnen der Sinn nach prestigeträchtigeren Positionen in den Legionen oder der Beratenden Versammlung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Großen Häuser ihren Einfluss nicht geltend machen: Die meisten Kaiserlichen Ministerien sind fest in Hand der sterblichen Mitglieder der Scharlachroten Dynastie oder von Patrizierfamilien, die sich einem der Großen Häuser verpflichtet fühlen.

Die Menschen des Kaiserreiches

Der durchschnittliche Bewohner des Kaiserreiches hat helle bis gebräunte Haut, schwarzes Haar und braune Augen. Volle Lippen und kleine Nasen sind verbreitet und Männer wie Frauen sind von eher durchschnittlicher Größe zwischen 1,60 und 1,80 Metern. Der Körperbau beider Geschlechter ist in der Regel schlank, auch wenn gerade Männer dazu tendieren, im Alter eine kleine Plauze zu entwickeln. Es sollte trotz allem nicht vergessen werden, dass das Kaiserreich eine Nation von Eroberern ist: Viele seiner Bewohner – selbst Mitglieder der Scharlachroten Dynastie – zeigen Merkmale exotischer Vorfahren.

Stände und Volksgruppen

Der Alltag des Scharlachroten Kaiserreiches und auch das Selbstverständnis seiner Bewohner wird zur Gänze vom Glauben an die Vollkommene Hierarchie bestimmt. Diese von den Anfängen des Unbefleckten Ordens tradierte Philosophie besagt, dass ein jeder seinen angestammten Stand im Gefüge der Welt habe und man nicht danach streben solle, sich über diesen Stand zu erheben. Der Scharlachroten Kaiserin kam diese Denkrichtung sehr zupass, war sie doch beim Aufbau ihres Reiches viel mehr daran interessiert, die gesellschaftliche Stabilität zu wahren, als Individuen den sozialen Aufstieg zu gestatten und damit Unruhe zu riskieren. Neben der Berufung in höhere soziale Stände durch die Mitglieder der Dynastie existieren im Kaiserreich daher auch allein zwei offizielle Wege, seinen gesellschaftlichen Stand zu verbessern, und sie verlangen den Dienst im Unbefleckte Orden bzw. den Kaiserlichen Legionen.

Abgesehen von diesen Ausnahmefällen ordnen sich alle Bewohner des Reiches in einen der sechs Stände ein, die aus der Vollkommenen Hierarchie entspringen. Drachenblütige nehmen dabei einen Sonderstatus ein und stehen unabhängig ihres Standes bei Geburt immer ganz oben in der Vollkommenen Hierarchie. Die nominelle Spitze der reichischen Gesellschaft nimmt jedoch die Scharlachrote Dynastie als Solche ein. Die Drachenblütigen und Sterblichen, die der Dynastie und damit den elf Großen Häusern angehören genießen eine Vielzahl an Privilegien und die Wenigsten von ihnen müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten, obgleich viele dies als eine Form der Selbstverwirklichung und Wichtigtuerei tun. Unter den Dynasten stehen die Patrizier, wohlhabende, alteingesessene Familien, von denen viele seit Jahrhunderten in den Diensten bestimmter Großer Häuser stehen. Auch in den Tausend Schuppen und der Beratenden Versammlung üben die Patrizier einigen Einfluss aus.

Unterhalb der Patrizier steht schließlich die arbeitende Bevölkerung. Da wären zunächst die Bürger, eine soziale Klasse, die vor allem die Bewohner der Städte umfasst, die Tätigkeiten als Händler, Künstler, Handwerker oder Beamter nachgehen. Die meisten von ihnen führen ein geordnetes, wenn auch unspektakuläres Leben und können sich hin und wieder gar etwas gönnen. Unterhalb der Bürger stehen die Bauern, die anderen Stände zahlenmäßig um zehn zu eins übertrifft. Bauern gehen sämtlichen Landarbeiten nach, bauen Nutzpflanzen an, züchten Vieh, fangen Fisch, fällen Holz und schürfen Bodenschätze. Ihr Leben ist geprägt von harter, undankbarer Arbeit, doch muss keiner von ihnen jemals Krieg und Hunger fürchten – zumindest nicht im Reich.

Die beiden unteren Stufen der Vollkommenen Hierarchie nehmen zwei soziale Klassen ein, deren Rechte stark eingeschränkt sind, bis zu dem Punkt an dem sie streng genommen gar keine besitzen. Zum einen sind dies Sklaven, die meist als Teil des Tributes aus Satrapien auf die Gesegnete Insel gebracht werden. Dabei ist es lediglich Mitgliedern der Großen Häuser erlaubt, Sklaven, die zu halten. Sklaven, die für Patrizier oder gar Bürger arbeiten, sind also eigentlich Leihgaben von Dynasten. Der tatsächliche soziale Status eines Sklaven hängt stark von dessen Aufgabe ab – die Bandbreite reicht von Arbeitssklaven, die unter schlimmsten Bedingungen Knochenjobs verrichten, bis zu gebildeten Leibsklaven, die selbst respektierte Mitglieder der Gesellschaft sind. Unter der Klasse der Sklaven existiert nur noch der Stand der Entrechteten. Diese unglückseligen Männer und Frauen wurden zur Strafe für ein reales oder eingebildetes Verbrechen sämtlicher Rechte beraubt. Als Vogelfreie ziehen sie durchs Land und betteln oder stehlen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Einige von ihnen haben das Glück, Angehörige zu haben, die sich um sie kümmern, doch die meisten sterben früher oder später oder verlassen das Kaiserreich für immer.

Ehe und Familie

Im Kaiserreich wird üblicherweise innerhalb des eigenen sozialen Standes geheiratet. Abgesehen davon genießen die Angehörigen niederer Gesellschaftsschichten wie Bauern und Bürger große Freiheiten bei der Partnerwahl. Heiraten geschehen bei ihnen häufig aus Liebe. Die emotionale Verbundenheit der Ehepartner führt, zusammen mit den geringen sozialen Aufstiegschancen dazu, dass Großfamilien im Kaiserreich recht verbreitet sind. Haushalte, in denen bis zu drei Generationen zusammenleben, sind nichts Ungewöhnliches, doch gilt dies mehr für den ländlichen als den städtischen Raum. Auch die auf dem Land noch umfassend geltende Regel, dass Kinder den Beruf ihrer Eltern übernehmen, weicht in den Städten des Reiches zunehmend auf. Hier sind kleinere Familien verbreitet, sodass die Eltern eher die Möglichkeit haben, die natürlichen Talente ihrer Sprösslinge zu fördern und ihnen eine Ausbildung außerhalb des eigenen Betriebs zu ermöglichen. Allein dies bedingt schon, dass Kinder nicht ihr ganzes Leben ein Dach und einen Tisch mit den Eltern teilen. An die Stelle der erweiterten Verwandtschaft tritt in der Stadt häufig die Nachbarschaft – selbst in den großen Mietskasernen der ärmeren Schichten ist echte urbane Anonymität unbekannt.

Die Lebenswelt der Oberschicht ist eine ganz andere. Je wohlhabender und einflussreicher eine Familie hingegen ist, desto eher wird die Ehe zur politischen und wirtschaftlichen Angelegenheit. In den Reihen der Patrizier, der reicheren Bürger und der Mitglieder der Scharlachroten Dynastie werden Ehen in der Regel arrangiert, sei es um neue Bündnisse zu schließen oder alte Feindschaften zu begraben. Der Heiratsmarkt ist hier stark reguliert wird von Eitelkeiten, geheimen Absprachen und hin- und hergereichter Jade bestimmt. Es grenzt an Ironie, dass ausgerechnet die Drachenblütigen, die alles beherrschenden Prinzen der Erde, in Heiratsdingen mehr Einschränkungen als der geringste ihrer Bediensteten. Die durch Heiraten geknüpften und verknoteten Familienbande zwischen den Großen Häusern sind der Stoff von Legenden (und zahllosen derben Scherzen).

Jeder Drachenblütige wird von der Gesellschaft dazu gedrängt, zu heiraten, auch wenn die Begründung dafür gänzlich unromantisch ist: Die Heirat eines Drachenblütigen dient lediglich der Legitimierung des in der Ehe gezeugten Nachwuchses. Dies ist die eigentliche, gleichsam heilige Pflicht eines jeden erleuchteten Drachenblütigen: Kinder in die Welt zu setzen, die ihrerseits von den Elementen Erwählung, die werden und so den Hort der Drachenblütigen zu vergrößern. Diese Pflicht zur Reproduktion geht so weit, dass eine kinderlose Ehe automatisch nach 50 Jahren annulliert wird – das gehässige Getuschel bei Hofe beginnt allerdings schon nach 30 Jahren. Sobald ein Paar ein Kind auf die Welt gebracht hat, muss es nicht mehr fürchten, dass seine Ehe für nichtig erklärt wird, doch böswillige Gerüchte können anhalten, sollte neuer Kindersegen nicht in gewisser Regelmäßigkeit erfolgen. Verwitwete Männer oder Frauen müssen ebenfalls erwarten nach einer angemessen langen Trauerzeit erneut auf den Heiratsmarkt geworfen zu werden, um jemand anderem neue Nachkommen zu schenken.

Nach ihrer Geburt werden viele der vorher sehnlichst erwarteten Kinder dann doch in die Obhut von Ammen, Haussklaven oder normalsterblichen Familienmitgliedern gegeben. Wo die ausladenden Haushalte der Dynastie ganze Sippen von Vettern, Schwägerinnen oder Neffen angeheirateter Urgroßväter beherbergen, kriegt der Nachwuchs seine direkten Anverwandten meist nur zu besonderen Anlässen zu Gesicht – es sei denn ihm wird in der Pubertät der Segen der Drachen zuteil. In solchen Fällen steigt das Interesse der drachenblütigen Eltern an ihrem Kind abrupt ins Unermessliche, haben sie doch bis dahin auch keine Gelegenheit verpasst, es mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass es auch ein Prinz der Erde zu werden habe. Umso größer ist natürlich die bittere Enttäuschung seiner Vormunde, wenn das Kind Zeit seines Lebens sterblich bleibt.

Außerhalb des Ehebettes und des Kinderzimmers gilt in der Scharlachroten Dynastie die Regel: Alles ist erlaubt. Gespielen und Mätressen zu haben ist etwas, woran die wenigsten Dynasten Anstoß nehmen und auch homosexuelle Liebschaften sind gesellschaftlich voll akzeptiert, wenn auch gleichgeschlechtliche Ehen vollkommen unbekannt sind. Voraussetzung für alle Liebesabenteuer dieser Art ist natürlich, dass dabei die Verrichtung der ehelichen Pflichten nicht zu kurz kommt. Im Gegenzug wird die Zeugung von unehelichen Kindern nicht wirklich zum Problem gemacht. Ob ein Drachenblütiger die Frucht seiner fleischlichen Begierden dann anerkennt oder nicht, liegt ganz bei ihm. Kinder, die später auch Drachenblütige werden haben natürlich wesentlich bessere Chancen.

Von all diesen komplexen Einschränkungen bleiben die Verlorenen Eier verschont. Wenn Drachenblütige, die sich außerhalb der Dynastie halten, einen Vorteil haben, ist es, dass sie stets ihrem eigenen Herzen folgen können – besonders in Liebesdingen.

Nahrung und Esskultur

Die Basis für die meisten Gerichte im Kaiserreich ist Reis. Dazu kommen einfache Gemüsesorten wie Kohl, Zwiebeln, Tomaten oder Lauch, sowie Pilze, Beeren, Nüsse und Obst. Neben Reis sind auch Hirse und Nudeln und Brot aus Sauerteig verbreitet. Dank des stabilen Klimas fallen die Ernten auf der Gesegneten Insel so üppig aus, dass nicht mal der bescheidenste Bauer Hunger leiden muss – mittellose Familien können sich in Klöstern des Unbefleckten Ordens oder bestimmten Ausgabestellen in Städten täglich eine Ration aus Reis, Zwiebeln, Äpfeln und anderen Grundnahrungsmitteln abholen, die ausreicht, um satt zu werden.

Fleisch und Fisch sind hingegen teurer, so eine Familie nicht direkt an der Quelle sitzt. Auf den Tafeln der Patrizier und der Dynastie sind derartige Leckerein alltäglicher und besonders für die ausufernden Gelage der Großen Häuser gilt, dass nur das teuerste, exotischste und gefährlichste Tier seinen Weg auf die Teller von geladenen Gästen findet. Feine Gewürze und Kräuter aus fernen Ländern werden zu diesen Gelegenheiten ebenfalls gereicht und sind ausgesprochene Luxuswaren. Überhaupt scheuen dynastische Haushalte keine Kosten und Mühen bei der Bewirtung von Gästen und für ihre Bankette schaffen die besten Köche aus der Kaiserlichen Stadt wahre kulinarische Kunstwerke.

Zu Trinken kommen sowohl bei den Gemeinen wie auch den Wohlhabenden Bier und Wein auf den Tisch, während Fruchtsäfte beim einfachen Volk als Delikatesse für besondere Anlässe gelten und folglich von Patriziern und Dynasten in rauen Mengen konsumiert werden. Außerdem hat das Kaiserreich eine ausgeprägte Teekultur und die Kaiserin selbst soll eine ausgesprochene Kennerin dieses aromatischen Getränks gewesen sein.

Bauern, Bürger und Patrizier nehmen ihre Mahlzeiten an großen Tafeln gemeinsam ein. In dynastischen Haushalten stellt das gemeinschaftliche Speisen mit dem ganzen Haushalt eine Besonderheit dar und wird nur bei festlichen Gelegenheiten oder dem Empfang von Gästen begangen. Stattdessen werden die Mahlzeiten von der Dienerschaft zubereitet und direkt in die Privatgemächern oder kleine Essräumen im Anwesen ihrer Herren gebracht. Findet man sich doch mal zum gemeinsamen Essen zusammen, sitzen Drachenblütige und Sterbliche strickt voneinander getrennt an unterschiedlichen Tischen. Unerhabenen Mitgliedern eines Haushalts, die entweder beachtlichen Einfluss haben oder mit einem Drachenblütigen verheiratet sind, kann die Ehre zuteil werden ebenfalls an der Tafel der Drachen speisen zu dürfen. Kinder und Eltern essen allerdings grundsätzlich niemals zusammen, bevor der Nachwuchs nicht in die Reihen der Prinzen der Erde aufgestiegen ist.

Kleidung und Mode

Das einfache Volk des Kaiserreiches kleidet sich wie das einfache Volk überall sonst: In grobe, zerschlissene Kleidung. Patrizier hüllen ihre Körper in Bahnen aus Seide oder feinem Linnen und die niederen Klassen empfinden diesen Stil nach, auch wenn sie billigere Stoffe wie Wolle oder Baumwolle verwenden. Sandalen und Halbschuhe aus Stoff sind in allen Gesellschaftsschichten verbreitet, ebenso wie lange Mäntel, die vorm Frost der kälteren Jahreszeiten schützen. Die Farbgebung der Kleidungsstücke vom einfachen Bauer bis zum wohlhabenden Patrizier ist eher gedeckt.

Die Kleidung dynastischer Männer und Frauen ist ähnlich funktional gehalten wie die der niederen Schichten. Beide Geschlechter tragen zu sozialen Anlässen Hosen, lange Röcke oder kurze Röcke über Hosen – bei Frauen sind zudem lange Kleider beliebt. Es gilt als anrüchig, in der Öffentlichkeit Bein oder Oberkörper zu zeigen, wobei dynastische Feierlichkeiten natürlich nicht als öffentlich gelten. In den wärmeren, südlichen Teilen des Reiches haben Drachenblütige der sozial versierteren Häuser eine Art Spiel daraus gemacht, auf kunstreiche Art so viel nackte Haut wie möglich zu zeigen und doch bekleidet zu wirken.

Neben Handschuhen, Edelsteinen und festen Stiefeln gehören Schärpen und Gürtel zu den unverzichtbaren Accessoires aller Bewohner des Reiches. Bei den Drachenblütigen weisen sie häufig Scheiden oder Halterungen für Lang- und Kurzschwerter auf. Im Gegensatz zum einfachen Volk bevorzugen die Prinzen der Erde natürlich leuchtende, auffällige Farben und prunkvolle Verzierungen auf ihrer Kleidung und ungewöhnliche fashion statements sind gerade bei jüngeren Drachenblütigen weit verbreitet. Einige Große Häuser sehen es gern, dass ihre Mitglieder die offiziellen Hausfarben tragen, während andere ihnen mehr Freiraum lassen. Viele Drachenblütige wählen auch Farben, die denen ihres Elementaspektes entsprechen. Mons und Wappenzeichen spielen ebenfalls eine große Rolle im drachenblütigen Stilempfinden. Nicht nur die Hausmons prangen sichtbar auf den Kleidungsstücken der meisten Dynasten – auch die Zeichen des eigenen Haushalts, des Ministeriums, der Truppe oder der Organisation, für die ein Drachenblütiger tätig ist oder gar das Mon der von ihm besuchten Mittelschule werden gern und oft zur Schau gestellt. Ein Drachenblütiger ist stolz auf das, was er ist, und das trägt er auch nach außen.

Kriegsführung und Bewaffnung

Das Kaiserreich ist eine Kriegerkultur. Seit dem Ende der Großen Seuche und des Balorischen Kreuzzugs hat die Scharlachrote Kaiserin nichts dem Zufall überlassen, wenn es um die Verteidigung ihrer großen Nation ging. Die Drachenblütigen der Scharlachroten Dynastie wurden von ihr von Anfang an als schützende Bollwerk gegen das Chaos und die Barbarei der Schwelle inszeniert und schon in der Grundschule werden dynastischen Sprösslingen die Routinen der Kriegsführung und der Kampfkunst beigebracht. Ob er nun Reden im Senat oder Schwerter gegen Anathema schwingt – jeder Drachenblütiger ist ein gelernter Krieger und kann sein Leben und das der reichischen Bevölkerung verteidigen, wenn es darauf ankommt. Dies führt dazu, dass auch im gesellschaftlichen Leben am kaiserlichen Hof Kriegertugenden wie Wehrhaftigkeit und Ritterlichkeit hoch im Kurs stehen. Duelle aus Vergeltung oder verletztem Ehrgefühl heraus sind an der Tagesordnung und wer für seine Familie nicht einstehen will, riskiert den Gesichtsverlust.

Die martialische Kultur der reichischen Drachenblütigen zeigt sich ebenfalls in ihrer Tracht. Kaum ein Prinz der Erde verlässt das Haus ohne Waffe und offensichtliches oder verstecktes Rüstzeug. Die mit Mustern und Intarsien aufwendig verzierten Rüstungen der Drachenblütigen dienen aber nicht nur dem Selbstschutz. Vielmehr sind sie beindruckende Prestigeobjekte, die von den besten Artefaktschmieden maßgefertigt werden. Im Reich gibt es drei Meisterwerkstätten für Artefaktrüstungen, die unterschiedliche Rüstungsdesigns hervorgebracht haben: Das konservative Elementdesign zeigt elementare Ausprägungen und Naturschauspiele passend zum Elementaraspekt des Trägers, das modische Weißrosen-Design bildet stattdessen wilde Tiere ab, und das bei den Jungen populäre und von den Älteren geschmähte Donnerwolken-Design setzt gänzlich verdrehte und gefährliche Fabelwesen auf den Rüstungen in Szene.

Was für Rüstungen gilt, gilt ebenso für Artefaktwaffen: Daiklaven und andere magische Klingen werden in der Familie traditionell über Generationen weitergegeben und viele Drachenblütige haben eine enge emotionale Beziehung zu diesen Erbstücken. Was die Wahl der Waffen angeht setzen Drachenblütige meist auf lange oder breite Schwerter oder Lanzen, doch auch exotische Tötungswerkzeuge aus allen Ecken der Schöpfung finden ihre Träger unter den Prinzen der Erde – immerhin geht es darum, aufzufallen.

Außerhalb der Scharlachroten Dynastie unterliegt Waffenbesitz strengen Regeln und nur Sterblichen, die in entsprechenden Berufen arbeiten, ist der Besitz überhaupt gestattet. Sind unter Legionären und Schwarzhelmen das gerade Schwert, der Knüppel, der Speer und der Kurzbogen verbreitet, hat der einfache Bauer oft nicht mehr als ein Messer oder einen alten Spieß, um sich zur Wehr zu setzen. Eine Möglichkeit die Kontrollen zu umgehen, ist eine der zahlreichen Martial-Arts-Schulen des Kaiserreiches zu besuchen, in denen man das effektive Kämpfen mit Faust, Fuß und eher exotischen Waffen erlernen kann. In der Tat sind solche Kampfschulen verbreitet genug, dass sich das allgemeine Waffenverbot gerade in den Städten des Reiches nur schwer durchsetzen lässt – auch dieser Bettler im Straßengraben könnte Kung Fu beherrschen.

Nicht nur im Kampf Mann-gegen-Mann tut sich das Scharlachrote Kaiserreich gegenüber anderen Nationen hervor: Über die Jahrhunderte hat die Scharlachrote Kaiserin die schlagkräftigste Armee und Marine unter dem Himmel aufgebaut. Und auch wenn der Glanz des Ersten Zeitalters nicht auf den groben, stählernen Rüstungen der kaiserlichen Soldaten widerscheint, so kann doch niemand ihre zahllosen Siege in Zweifel ziehen. Das Scharlachrote Kaiserreich wurde auf dem Fundament des Krieges erbaut und dies zeigt sich in allen Facetten seines gesellschaftlichen Lebens. 2 berühmte Militärschulen, 6 Flotten, 30 Legionen, 200 Kriegsschreiter und unzählige drachenblütige Helden – all dies trägt dazu bei, dass das Kaiserreich bis heute auf dem Schlachtfeld gefürchtet wird. Die kaiserliche Armee trägt ihre Siege mit Stolz, ihre Niederlagen mit Würde und ihre Banner aus Tradition.

Es ist diese ausgeprägte Kriegerkultur, die den kaiserlichen Truppen in diesen Zeiten des Haders zum Verhängnis zu werden droht. Wie die Tausend Schuppen sind auch die Kaiserlichen Legionen einem strengen Regelwerk unterworfen und bis hin zur Taktik auf dem Feld präzise durchgeplant. Seit den Tagen des Shogunats sind die _Tausend korrekten Handlungen des aufrechten Soldaten das Standardwerk, dessen Inhalt jeder Befehlshaber vom General bis zum Sergeant kennt, und nach dem sich die gesamte reichische Kriegsführung ausrichtet. Seit dem Verschwinden der Kaiserin bröckelt das Fundament der Legionen jedoch zusehends. Die Auseinandersetzungen zwischen den Großen Häusern in der Beratenden Versammlung und den Tausend Schuppen nagen an der Versorgung der Truppe, während mehr und mehr drachenblütige Offiziere zurück in die Heimat berufen werden, um ihre Familien zu unterstützen. Die jüngste Niederlage der Tepet-Legionen gegen den Stier des Nordens hat sein Übriges dazu getan, um die Motivation der kaiserlichen Soldaten zu dämpfen. Es liegt Anspannung in der Luft und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die allseitige Frustration in einem Bürgerkrieg Bahn bricht.

Religion und Aberglaube

Das Scharlachrote Kaiserreich ist die Heimat der Unbefleckten Philosophie und jeder, der sich zu einem anderen Glauben bekennt, wird als verblendeter Ketzer angesehen. Der Großteil der Bevölkerung des Reiches sieht in der Unbefleckten Philosophie die von den Unbefleckten Drachen offenbarte Wahrheit und hinterfragt die Lehren ihrer Mönche und Priester nur selten. Die tatsächliche Frömmigkeit schwankt jedoch von Person zu Person und lokale Bräuche, Fremdeinflüsse und persönliche Zweifel können in Detailfragen des Glaubens sehr mannigfaltige Blüten treiben. Die unbefleckten Mönche des Reiches nehmen es daher hin, dass ein jeder glauben kann, was er will, solange er an den unbefleckten Zeremonien teilnimmt und keinen verbotenen, religiösen Praktiken nachgeht oder dunkle Kräfte anbetet. Derartige religiöse Verfehlungen ziehen Strafen nach sich, die von hohen Bußgeldern über Entrechtung bis zur Exekution reichen. Die Verehrung des Lichten Volkes, der Todesfürsten oder der Anathema gilt als Hochverrat und jemand, der dabei erwischt wird, kann nur in seltenen Fällen auf Gnade hoffen.

Trotz der allbekannten Strenge, mit denen die unbefleckten Mönche und die Wylde Jagd gegen Ketzer durchgreifen, nimmt die Anzahl an Häretikern im Kaiserreich seit Verschwinden der Kaiserin immer weiter zu. So ist der Ahnenkult eine feste Größe im spirituellen Gefüge der Gesegneten Insel, auch wenn der Unbefleckte Orden es entschieden ablehnt, den Toten in irgendeiner Weise Verehrung zukommen zu lassen. Besonders auf dem Land halten sich verbotene Totenrituale hartnäckig und selbst die Drachenblütigen, die fleischgewordene Wahrheit der Unbefleckten Philosophie, ehren die Toten oftmals mehr, als sie dürften. Auch Häresie der Hundert Götter findet im Reich seine Anhänger, den nicht jeder Kleine Gott will sich der Vormachtsstellung des Ordens beugen und die Verlockung, zusätzliche Gebete von einfältigen Bauern abzugreifen, ist süß. Ungleich gefährlicher ist natürlich die direkte Verehrung der Unbesiegten Sonne oder anderer, Himmlischer Götter, die häufig direkt in die Verehrung der Anathema führt.

Neben diesen verbreiteten Häresien existieren noch zahlreiche kleinere Irrglauben, die Plattform für religiöse Wirrköpfe aller Art sind. So verschreibt sich die Häresie der Antithesen der Verehrung der Gegenbilder der Unbefleckten Drachen, während die Häresie des Roten Himmels die Scharlachrote Kaiserin selbst als Göttin verehrt – und einige sehr blutrünstige Pläne hat, wie sie ihre Rückkehr herbeiführen könnte.

Reisen und Transport

Für den Großteil der sterblichen Bevölkerung des Kaiserreiches beschränken sich die Transportmöglichkeiten auf Pferde und Esel, Karren, Boote und die eigenen Füße – von Sklaven getragene Sänften sind der Oberschicht vorbehalten. Zugang zu magischen Fortbewegungsmitteln wie Himmelblauen Streitwagen oder Meer-und-Erde-Rössern haben allein die Drachenblütigen und es ist an ihnen zu entscheiden, ob ein Sterblicher sie mitbenutzen darf. Verglichen mit den Zuständen in der Schwelle sind die Straßen des Scharlachroten Kaiserreiches jedoch in hervorragendem Zustand und durch Patroullien von Schwarzhelmen und Kaiserlichen Legionären weitgehend frei von Banditen. Es gibt weder einen Mangel an Gasthäusern, noch an mietbaren Fähren, Kutschen und Karavanen, die Passagiere und Waren für ein paar Koku von einem Ort zum anderen transportieren.

Die beiden wichtigsten Verkehrsadern des Reiches sind zum einen die Große Küstenstraße, die einmal um die gesamte Küste der Die Gesegnete Insel führt und alle Hafenstände ansteuert, und zum anderen der verwilderte Kaisertritt, der von der Kaiserlichen Stadt aus über den Scharlachspann durch Portee, Juche und Herrenfurt bis zum Auge der Schöpfung führt. Darüber hinaus werden auch der Kaiserliche Fluss, der Karakalfluss und der Schlangenfluss ausgiebig als Transportwege genutzt.

Wer einfach nur Briefe und Nachrichten verschicken möchte, hat es im Kaiserreich noch um ein Vielfaches leichter. Das Ministerium der Unfehlbaren Überbringer amtlicher Nachrichten und herzlicher Bekundungen unterhält neben Signaltürmen und vollbesetzten Taubenschlägen auch fähige Thaumaturgen, die Luftelementare beschwören und so wichtige Meldungen direkt vom Wind tragen lassen können. Pakete und Briefe werden außerdem von Boten zu Pferde direkt von Poststelle zu Poststelle transportiert, was mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern am Tag geschieht.

Das Scharlachrote Kaiserreich

Im Schatten der weißen Laterne Claurer