Die Kaiserlichen Magistrate

Mon der Kaiserlichen Magistratur

Ein Magistrat ist ein Mitglied der Kaiserlichen Magistratur des Scharlachroten Kaiserreiches. Magistrate sind jene einsamen Helden, die von der Kaiserin dazu berufen wurden, die Satrapien und Präfekturen des Reiches zu durchwandern, Gerechtigkeit an Gesetzesbrechern zu vollstrecken und die Bevölkerung zu beschützen. Sie untersuchen die Möglichkeit von Aufständen in den Tributstaaten des Kaiserreiches, schnappen Steuerhinterzieher und entschärfen kritische Bedrohungen, denen die Herren dieser Landstriche selbst nicht Herr werden können. Magistrate übernehmen zudem die Rolle unabhängiger Ermittler und Ankläger in komplexen Gerichtsverhandlungen und helfen beim Katastrophenschutz – sei es, indem sie Menschen aus den Trümmern ziehen, wenn Sternenmetall auf einer bewohnten Siedlung niedergegangen ist, oder ein brennendes von Innen zum Einsturz bringen, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Jede Aufgabe, die ein Magistrat erfüllt, ist zum Wohl des Scharlachroten Kaiserreiches und seiner Tributstaaten.

Arbeitsweise

Magistrate ziehen durchs Land und suchen entweder Ärger oder sie zwingen den Ärger, zu ihnen zu kommen. Typischerweise wird die lokale Regierung einer von Unbill geplagten Region, Boten senden, die den Magistraten informieren sollen. Dies setzt natürlich voraus, dass fragliche Autoritäten überhaupt einen Magistraten wollen, der in ihren Angelegenheiten herumschnüffelt. Wollen sie das nicht, ist es an ihren niederen Funktionären oder gar rechtschaffenen Bürgern, den Magistraten auf eigene Faust zu kontaktieren. Magistrate mit besonderem Tatendrang unterhalten meist auch ein Netzwerk aus Spionen und Informanten in ihren Protektoraten, sodass sie nicht auf ehrliche, ehrenwerte Leute angewiesen sind, die sich ein Herz fassen und sie herbeirufen. Manchmal wollen selbst die moralisch gefestigtsten Bürger nicht der Ungerechtigkeit die Stirn bieten, wenn sie nicht sicher sein können, dass sie die Unterstützung eines mächtigen Magistraten haben.

Magistrate arbeiten meist mehr oder weniger allein. Der typische Magistrat unterhält einen Tross aus einem einzelnen Sekretär und vielleicht einem oder zwei Leibwächtern. Ersterer notiert alle Taten des Magistrates, auf dass sie in den offiziellen Historien des Reiches, dem Kaiserlichen Gesetz und mitunter auch propagandistischer Populärliteratur, die dem Sekretär unter der Hand in Auftrag gegeben wurde, Aufnahme finden. Dies erfüllt auch einen offiziellen Zweck, denn da die Magistrate nur der Scharlachroten Kaiserin Rechenschaft schuldig sind, müssen sie exakte Aufzeichnungen über ihre Taten führen. Seinen Leibwächtern bedarf der Magistrat hingegen nicht wirklich, da sich die meisten Magistrate sehr gut selbst zu verteidigen wissen, doch stellen sie praktische Ablenkungen im Falle von Hinterhalten da und können gewaltsam eingreifen, wenn der Magistrat anderweitig verhindert ist.

Was ihre Informanten angeht, setzen verschiedene Magistrate auf unterschiedliche Formen der Kontaktaufnahme. Einige wandern eine vorgegebene Route durch die Landstriche, die sie als ihr Protektorat ansehen und bezahlen ein ausuferndes Netzwerk an Beobachtern, Gerüchteköchen und Undercover-Agenten, sodass sie über die generellen Vorkommnisse in diesem Protektorat auf dem Laufenden bleiben. Andere arbeiten mit Delegierten der Tausend Schuppen zusammen oder gar mit Agenten des Allsehenden Auges, die sie bereits erfolgreich enttarnt haben. Einige wenige schließlich erhalten ihre Aufgaben direkt von den Präfekten oder Satrapen einer Region. Solche Magistrate verbleiben häufig stationär in der Magistratur einer größeren Stadt und stehen dort auch in sehr enger Zusammenarbeit mit den Kaiserlichen Wächtern.

Ausbildung

Der einzige Weg ein Magistrat zu werden, ist von der Scharlachroten Kaiserin ernannt zu werden. Ihr Wort ist in dieser Sache unumstößlich und sie benötigt keine Erlaubnis oder Ratifizierung der Beratenden Versammlung (als ob sie die je gebraucht hätte). Ebenso liegt das alleinige Recht, einen Magistraten aus seinem Dienst zu entlassen, bei der Kaiserin allein. Aufgrund ihrer extremen Sorgfalt und Umsicht bei der Ernennung von Magistraten kam es zu Zeiten ihrer Herrschaft nur äußerst selten vor, dass sie einen Magistraten wieder entlassen musste. Der letzte Fall dieser Art liegt fast zwei Jahrhunderte zurück, als sie alle Magistrate aus Haus Iselsi aus Rang und Ehren entließ.

Als Zeichen ihrer unerschöpflichen Gnade hat die Die Scharlachrote Kaiserin nicht wenige Magistrate vor dem Gefängnis oder Schlimmerem bewahrt, indem sie ihnen die Wahl zwischen dem Dienst für das Das Scharlachrote Kaiserreich oder ihrer gerechten Strafe gab – und der Magistrat in Spe natürlich die angenehmere Wahl gab. Andere Magistrate stammen direkt aus den Die Großen Häuser, meist Söhne und Töchter ohne Perspektiven oder Aufstiegschancen oder aber besonders ambitionierte Vertreter, die die Die Scharlachrote Kaiserin durch eine Ernennung zum Magistrat ein wenig zu bremsen versuchte. Allen Magistraten gemein ist jedoch eine tief, persönliche Loyalität ihrer Herrscherin gegenüber, wie sie in der Die Tausend Schuppen nahezu unbekannt ist. Diejenigen Magistrate, denen diese Loyalität abgeht, müssen sich auf einen harten Weg einstellen, da nicht nur ihre treueren Kollegen alles daran setzen, ihre Machenschaften zu durchkreuzen, sondern auch die unglückliche Bevölkerung oder örtliche Kleine Götter der Gerichtsbarkeit ein Solches versuchen werden.

Einmal ernannt ist ein Magistrat ein Magistrat. Es gibt keinerlei formale Ausbildung oder Ähnliches. Der Ernannte erhält Dienstsiegel und Marke, wird knapp in seine Pflichten eingewiesen und über die Grenzen seiner Autorität informiert und gebeten, sich mit den Das Kaiserliche Gesetzeswerk so gut sie können vertraut zu machen. In einigen Fällen, besonders wenn der fragliche Magistrat lange Zeit nicht Teil der Öffentlichkeit war, wird ihm noch ein Schreiber oder Historiker zur Verfügung gestellt, der die aktuellen Gesetze des Das Scharlachrote Kaiserreich aus dem Kopf beherrscht. Ältere Magistrate beschatten auch häufig jüngere, um sich über deren Arbeitsqualität auf dem Laufenden zu halten und geben Hilfestellung, solange dies mit ihren eigenen Verpflichtungen konform geht.

Pflichten und Privilegien

Im Feld sind Magistrate mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben betraut und sie genießen bemerkenswerte Privilegien bei der Erledigung dieser Aufgaben. Magistrate dürfen jeglichen Besitz konfiszieren, jedes Strafmaß verhängen und ihrem Willen und ihrer Machtposition Ausdruck verleihen wie es ihnen beliebt. Sie fungieren als die manifeste Gerechtigkeit der Kaiserin, also ist alles, was sie in ihrem Namen tun, gerecht und nicht in Frage zu stellen. In der Theorie hat kennt diese Macht keine Grenzen abgesehen vom der direkten Aufhebung der Dekrete des Magistraten durch Kaiserin selbst – und ein solcher Fall ist in der Tat nur dann eingetreten, wenn das Opfer falscher Justiz den Rückhalt und das Rückgrat aufbringen konnte, fragliches Magistratsdekret der Kaiserin selbst zur Prüfung vorzulegen.

Magistraten werden keine festgelegten Routen oder Territorien zugewiesen, die sie patroulieren müssen. Jeder Ort auf der Schöpfung, über den das Reich die Kontrolle beansprucht, fällt in den Aufgabenbereich der Kaiserlichen Magistratur. Ein typischer Magistrat wird sich eine eigene Magistratur in einer größeren Stadt, häufig Hauptstadt einer Präfektur einrichten und von dort aus eine mehr oder weniger weitreichendes Gebiet überwachen. Ein solches Gebiet wird auch als das Protektorat eines Magistraten bezeichnet. Von keinem Magistrat wird verlangt, dass er ein Protektorat hat, aber es wird erwartet, dass er die Protektorate anderer Magistrate respektiert. Aus der Tradition heraus darf ein Magistrat einen anderen Magistraten innerhalb von dessen Protektorat nicht infrage stellen, es sei denn fraglicher Magistrat ist offensichtlich korrupt, inkompetent oder handelt entgegen der Interessen des Reiches. Einen Magistraten in seinem eigenen Protektorat abzusetzen, ist ein gewagtes Vorhaben, denn die Beweislage, die seine Schuld untermauert, muss über sämtliche Zweifel erhaben sein. Außerdem muss der Schaden – sowohl der materielle, als auch der ideelle – der durch die Absetzung des Magistraten in diesem Protektorat entsteht geringer sein als der, der entstünde, wenn der korrupte oder inkompetente Magistrat in Amt und Würden bliebe. Aus diesen Gründen kümmern sich die meisten Magistrate ausschließlich um ihre eigenen Protektorat und lassen ihre Nachbarn mit ihren Angelegenheiten allein. Wo Ehrgefühl, Gerechtigkeitssinn oder schlechtes Gewissen einen Magistraten tatsächlich dazu treiben, einzugreifen, ist es von Vorteil zumindest einen Magistratskollegen mit ins Boot zu holen, um dem ganzen Vorhaben Legitimation und Nachdruck zu verleihen.

Einmal alle fünf Jahre muss ein Magistrat mit dem ihm zugewiesenen Schreiber (so vorhanden) in der Kaiserlichen Stadt Meldung machen und über seine Entscheidungen Rede und Antwort stehen. Es war die Scharlachrote Kaiserin selbst, die anhand der Aufzeichnungen des Magistraten (und unabhängiger Berichte der Bevölkerung und des Allsehenden Auges) die Leistungen des Magistraten bewertet, belohnt oder gegebenenfalls bestraft hat. Seit dem Verschwinden der Kaiserin nehmen es die meisten Magistrate mit der fünfjährigen Meldepflicht nicht mehr so genau. Sie wissen nicht ob der Regent den Willen oder die Autorität hat, sie ihres Amtes zu berauben und sie wollen sich im Falle eines Falles eventuellen Feinden, die sie während ihrer Arbeit gemacht haben, nicht schutzlos ausliefern. Einige andere sind inzwischen korrupt geworden und nehmen bereitwillig Bestechungsgelder von den Amtsträgern ihrer Protektorate oder den Banditen, die diese plagen, an. Wieder andere gehen ihren Aufgaben in den Randbezirken des Kaiserreiches noch immer nach bestem Wissen und Gewissen nach und verlassen sich auf Gefallen von jenen, denen sie geholfen haben, sobald sie harten Zeiten entgegensteuern. Einige sehen im Verschwinden der Kaiserin gar die Gelegenheit, ungehindert ihren Pflichten nachzugehen – ohne die regelmäßigen Reisen in die Kaiserliche Stadt kann ein Magistrat ungleich größere Gebiete patroulieren.
Die genauen Pflichten eines Magistrates sind mannigfaltig. Im Folgenden werden die häufigsten und vornehmlichsten Aufgaben aufgelistet, denen ein typischer Magistrat nachgeht:

Recht sprechen

Magistrate werden häufig hinzugezogen, um Verhandlungen vorzusitzen oder bei Mord- oder anderen Kriminalfällen, die sich in ihren Protektoraten ereignen, als Richter zu fungieren. Sie haben die Autorität, Recht zu sprechen und Strafen festzulegen. Ein Magistrat kann außerdem als Beisitzer an einen Gerichtshof zitiert werden, sollte der örtliche Richter die Situation selbst gut unter Kontrolle haben. Seine Präsenz kann dabei Ruhe und Sachlichkeit im Gerichtssaal wahren, besonders wenn der zu verhandelnde Fall emotional besonders aufgeladen ist, oder einem Prozess überhaupt erst Legitimität verleihen. Einige Magistrate tun nichts anderes als als wandernde Richter für ihre Protektorate zu fungieren und unterhalten dabei häufig einen Agentenstab, dessen einzige Aufgabe es ist, in Stadt und Land Zeugen zu aktuellen Gerichtsfällen zu befragen und zu beschützen.

Bestien jagen

In der Unterhaltungsliteratur des Scharlachroten Kaiserreiches ist das Bild des Magistraten als Schäfer wohlverbreitet: Fest den Stab Hand, als Zeichen der ihm verliehenen Autorität, wacht er über seine Schäfchen und vertreibt die hungrigen Raubtiere, die sie zu reißen gedenken. Mehr noch, Magistrate sind in vielen Darstellungen auch jene tollkühnen Helden, die Jungfern und Jünglinge in Not aus den Klauen garstiger Ungeheuer retten. In der Vergangenheit waren die „Bestien“ solcher Geschichten genau das: Wilde Tiere oder Monster, die auf die Bevölkerung Jagd machten. Inzwischen wird von Magistraten jedoch verlangt, dass sie sämtliche Arten von „Bestien“ zur Strecke bringen, die die rechtschaffenen Leute behelligen, angefangen bei gesetzlosen Flüchtlingen bis hin zu rachsüchtigen Geistern, anmaßenden Rakshasa oder gar Anathema, die der Wylden Jagd entkommen sind.

Ruhelose Gottheiten besänftigen

Wenn ein Geist oder Gott sich nicht benehmen will – was heutzutage immer häufiger vorkommt – wird in der Regel ein Magistrat herbeigerufen, auf dass er diesem Wesen die Irrtümer seines Tuns aufzeige. Es wird erwartet dass der Gott seinen Platz in der Vollkommenen Hierarchie akzeptiert, dem Drachenblütigen mit Ehrerbietung begegnet und wieder zur Normalität zurückkehrt. Auch der Magistrat begegnet der fraglichen Gottheit mit Respekt, auf dass dieser nicht sein Gesicht vor seinem Hof verliere. Ein paar Gottheiten wollen von ihrem ungebührlichen Verhalten dennoch nicht ablassen, sodass der Magistrat gezwungen ist, Gewalt anzuwenden. In solchen Fällen ziehen Magistrate die Mönche und Nonnen des Unbefleckten Ordens zu Rate, die die entsprechenden Schritte einleiten.

Korruption ausmerzen

Wenn der Verdacht aufkommt, ein Satrap, Präfekt oder Minister sei korrupt, ist ein Magistrat, der gerufen wird um die Sache zu untersuchen. Diese Aufgabe ist vielleicht die wichtigste, der die kaiserlichen Magistrate nachgehen, wenn auch heute aus anderen Gründen als einstmals. In der Vergangenheit war die Korrumpiertheit eines Würdenträgers des Reiches ein Schlag ins Gesicht für die Kaiserin, eine unverzeihliche Beleidigung. Diesem Unmut ihrer Herrscherin verliehen die Magistrate Ausdruck und hielten so die Ministerien auf Linie. Jetzt, da die Die Scharlachrote Kaiserin verschwunden ist, lässt sich ihr Wille nurmehr erahnen, was entschlossene Magistrate aber trotzdem nicht davon abhält, jene Unterschlagung und Vetternwirtschaft zu bekämpfen, die das Kaiserreich zu zersetzen droht. Es sind diese Magistrate, die sich unter den Funktionären der Tausend Schuppen die meisten Feinde gemacht haben und die am Meisten zu verlieren haben, jetzt da die Kaiserin ihnen nicht mehr den Rücken stärkt.

Einschränkungen

Kein Gesetz des Kaiserreiches, außer jenen gegen Hochverrat und Korruption, kann gegen einen Magistraten angewandt werden. Wo es um die Verteidigung des Reiches geht, haben Magistrate quasi einen Freifahrtsschein. Dennoch ist ihre Macht keineswegs grenzenlos und Magistrate werden entschieden dazu angehalten, sich in ihren Urteilen zu mäßigen und ihre Autorität nicht überzustrapazieren. Wo immer es möglich ist, lassen Magistrate ihre Urteile durch Dritte ausführen, sei es durch angeheuerte Söldner, die sich um ein Banditen- oder Raubtierproblem kümmern sollen, oder einfache Bedienstete, denen der Magistrat aufträgt, ihren Herren mit einem Schlaftrunk auszuschalten, auf dass der Magistrat ihn festnehmen kann. Noch seltener greift ein Magistrat zu tödlicher Gewalt, um ein Problem zu lösen und gezwungen zu sein, die eigene Waffe zu ziehen, ist für einen Magistraten Indiz, dass ihm die Situation entglitten ist.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme, die die Scharlachrote Kaiserin traf, um ihre Magistraten unter Kontrolle zu halten, ist das Verbot für Magistrate, Wohlstand anzuhäufen. Unter dieser Prämisse wären Magistrate die ärmsten Mitglieder des Reiches und folglich auch die bescheidensten. Da allerdings alle Bewohner des Reiches die Pflicht haben, jede Bitte eines Magistraten zu erfüllen, ist es tatsächlich übertrieben, Magistrate als mittellos zu bezeichnen – wer ein einfach ein luxuriöses Appartment, ein riesiges Grundstück oder ein delikates Bankett verlangen kann, ohne dafür zu bezahlen, kann nun wirklich nicht arm genannt werden. Der Knackpunkt dieser Regelung ist eher, dass Magistrate schwer zu bestechen sind. Was könnte man ihm schon anbieten, dass er nicht ohnehin einfach verlangen könnte?

Aktuelle Entwicklungen

Bei allen Privilegien, die Magistrate genießen, muss doch eines in aller Klarheit gesagt werden: Diese Tage des Haders sind wahrscheinlich der schlechteste Zeitpunkt im Zweiten Zeitalter, um ein kaiserlicher Magistrat zu sein. Zu einen gibt es niemanden mehr, der die Autorität hätte, neue Magistrate zu ernennen, um diejenigen zu ersetzen, die in Ausübung ihrer Pflicht fallen. Es ist denkbar, dass Regent Fokuf diese Autorität hat, doch ihm fehlt die Eigeninitiative. Natürlich könnte jeder, der das Ohr des Regenten hat (wie etwa Senatoren der Beratenden Versammlung oder Patriarchen und Matriarchen der Großen Häuser) geeignete Kandidaten für den Magistratsposten vorschlagen, doch das zu tun würde sie selbst in Gefahr bringen, mehr noch da der Regent ihrem Wunsch zweifellos nachkäme. Es ist eine Sache, den Regenten dazu zu überreden, einen Gesetzesentwurf der Beratenden Versammlung einfach durchzuwinken, doch derart direkten Einfluss auszuüben und die Übertragung derart großer Vollmachten zu bewirken, das überschreitet beileibe die unausgesprochene Abmachung der reichischen Würdenträger, wie die Marionette Fokuf denn zu spielen sei.
Darüber hinaus dürsten viele, denen die kaiserlichen Magistrate in der Vergangenheit übel mitgespielt haben, auf Rache. Von korrupten Ministern über entflohene Banditenkönige bis hin zu in Ungnade gefallenen Drachenblütigen: Ein jeder der mit der Kaiserlichen Magistratur noch ein Hühnchen zu rupfen hat, weiß, dass der Zeitpunkt zu Handeln gekommen ist. Viele Magistrate sind erfahrene und fähige Krieger, doch wo ihre Gegner ausreichend persönliche Macht besitzen, um sie zu bedrohen, stellen sie vermehrt fest, dass sie sich an niemanden wenden können. Selbst die Minister der Tausend Schuppen sind vorsichtig damit, ihre einstigen Aufseher zu unterstützen, eröffnet das Fehlen eines solchen Aufsehers ihnen doch neue Möglichkeiten für nicht ganz linientreue Nebenverdienste.

Und damit nicht genug: Einige Magistrate waren vor ihrer Ernennung selbst Kriminelle, Ausgestoßene oder ungeliebte Dynasten. Die meisten von ihnen haben mächtige Feinde, denen ihre unrechtmäßige Einberufung in die Reihen der kaiserlichen Magistratur von jeher ein Dorn im Auge war. „Auge“ ist im Übrigen ebenfalls ein gutes Stichwort, denn auch die Agenten des Allsehenden Auges nutzen die prekäre Situation der Magistrate, um ihre Machtposition zu untergraben. Seit Verschwinden der Kaiserin wurden viele Magistrate – von den niederträchtigsten und korruptesten bis zu den schwächsten und naivsten – Opfer von Attentaten. Andere wurden verhaftet, verurteilt und wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet. Allein politischer Einfluss, Spionage und schiere persönliche Macht kann die Kaiserliche Magistratur vor der totalen Auflösung bewahren. Der zynische Scherzname Die Magistratur der Hasen beginnt sich unter den reichischen Würdenträgern zu verbreiten, können doch Magistrate dieser Tage nicht mehr tun als wegzulaufen und sich in Erdlöchern zu verkriechen, wie die Hasen auf dem Felde. Dennoch gibt es auch noch selbstlose, mutige Magistrate, die sich diesen Entwicklungen entgegenstellen und nach wie vor die Gerechtigkeit der Kaiserin repräsentieren. Allein die Zeit wird zeigen, in welche Lage sie das bringen wird.

Die Kaiserlichen Magistrate

Im Schatten der weißen Laterne Claurer